Was ist wirtschaftsphilosophische Beratung?

Was ist philosophische Praxis? Gerd B. Achenbach (*1947), der als Gründer der ersten Philosophischen Praxis gilt, schreibt auf seiner Website, die Klient*innnen, die ihn aufsuchen, kämen fast nie mit der kantischen Frage „Was soll ich tun?“, sondern mit der Frage Montaignes „Was tue ich eigentlich?“. Gleichgültig welche Frage es ist, Fragen dieser Art haben etwas Gemeinsames. Es sind Reflexionsfragen und zwar Fragen der Selbstreflexion. Philosophie ist seit Sokrates die Reflexionsdisziplin. Philosoph*innen werden darin geschult, über Ideen historisch und systematisch zu reflektieren. Philosophische Praxis und Beratung ist mithin die Praxis der Reflexion. Philosophische Berater*innen beraten Klient*innen indem Sie in Beratungsgesprächen mit ihnen über ihre Ideen und sonstigen Themen reflektieren und die Reflexivität ihrer Klient*innen reflektieren.*

Was also ist wirtschaftsphilosophische Praxis? Wirtschaftsphilosophische Praxis ist das philosophische Reflektieren wirtschaftlicher, darunter unternehmerischer und beruflicher Themen, in praktischer Absicht.

Was machen Sie und ich in der Beratung? Sie erzählen mir im Erstgespräch von Ihren wirtschaftlichen, unternehmerischen, beruflichen Problemen, von den Lösungswegen, die Sie in Ihrer Managementtätigkeit versuchen, denen die gelingen oder misslingen. Ich frage nach, um herauszufinden, ob ich in Ihrem Denken und Sprechen Ideen und Muster (sog. mindsets) entdecke, die ich mit Ihnen wirtschaftsphilosophisch (und systemisch) reflektieren würde. Bspw. indem wir solchen Fragen nachgehen, die mir bisher in meiner Beratungspraxis begegnet sind: Wie denken Sie über Ihr eigenes wirtschaftliches Handeln nach? Was ist ein Business Plan? Wozu ist ein Business Plan nützlich? Was ist Management? Was ist Führung? Was ist Kooperation? Was ist Effizienz? Wozu nützt die Idee der Effizienz? Ist Marketing gleich Werbung gleich Manipulation? Welche Metaphern der Selbstregulation gebrauchen Sie? Was sehen Sie in der Marktbeobachtung und was sehen Sie nicht?

Ich als Berater unterstütze Sie als Klient*innen im Gespräch oder begleite Sie bei Aktivitäten, beispielsweise bei Gesprächen mit Kund*innen, in Verhandlungen oder bei der Marktbeobachtung. Ich stelle Ihr Wahrnehmen, Beobachten, Denken, Fühlen, Entscheiden und Handeln in Frage, warte auf Ihre Antworten und zeige weitere Antwortmöglichkeiten auf. Ich schöpfe aus der Ideengeschichte, der Philosophie und Ethik, aus den Systemwissenschaften, den Wirtschaftswissenschaften und den Managementwissenschaften sowie aus den Erfahrungen meiner eigenen Unternehmens- und Beratungspraxis. Dabei frage und hinterfrage ich, was Sie und Ihr Umfeld nicht in Frage stellen oder ich weise auf Antwortenmöglichkeiten hin, die bisher unberücksichtigt geblieben sind.

Mir geht es vorrangig, um die Begleitung Ihres eigenen Denkens, ihres Nachdenkens über Ihr Erleben, Denken und Handeln in ihrer eigenen wirtschaftlichen, unternehmerischen und beruflichen Tätigkeit. Sie bleiben als Klient*innen in Ihrer Verantwortung als vernunftbegabte Wesen und in Ihren professionellen Kompetenzen selbstbestimmt und selbstständig. Der Zweck der Beratung ist nicht, dass von Ihnen ein bestimmtes Ergebnis, ein bestimmter Gedanke oder eine von Ihnen oder mir bestimmte Entscheidung getroffen wird, sondern dass Sie Ihre Reflexivität, Integrität und Selbstkompetenzen weiterentwickeln, um eigene Antworten zu suchen und zu finden. Die Prozessverantwortung teilen Sie und ich gemeinsam, die Ergebnisverantwortung bleibt bei Ihnen.

Wie wird das wirksam? Wenn Sie sich für eine Beratung interessieren oder entscheiden, sind Ihnen bestimmte Probleme bewusst. Manchmal fehlt Ihnen sachliches und fachliches Wissen, manchmal sind Sie auf der Suche, etwas tiefgründer zu verstehen, manchmal ist Ihnen manches (noch) nicht bewusst oder (noch) allzu selbstverständlich, vielleicht möchten Sie eine eigene Lösungsidee auch erst gedanklich verstehen ehe Sie versuchen, diese umzusetzen.

In der Psychologie der Kompetenzentwicklung werden 4 Stufen unterschieden. Kompetenzen entwickeln sich von Stufe 1) Unbewusste Inkompetenz über die Stufen 2) Bewusste Inkompetenz und Stufe 3) Bewusste Kompetenz zur höchsten Stufe 4) Unbewusste Kompetenz. In der Beratung geht es darum, dass Sie sich in einem bestimmten Bereich von der Stufe 2) auf Stufe 3) entwickeln. Manchmal ist dazu Wissen notwendig oder hilfreich, manchmal ist es aber auch der Bewusstseins- und Reflexionsprozess selbst, der nicht gänzlich durchlaufen wurde.

Darin kann ich Sie in philosophisch-systemischen Gesprächen über ihre konkreten wirtschaftlichen, unternehmerischen und beruflichen Themen unterstützen. Wenn diese Gespräche gelingen, erwachsen aus ihnen nach und nach Klarheit, Übersicht, Orientierung und viele andere Qualitäten mehr, vielleicht sogar unternehmerischer und beruflicher Erfolg in einem ganzheitlichen Sinne!


*Darin hat die philosophische Beratung eine Ähnlichkeit mit der systemischen Beratung, die in bestimmten systemischen Schulen Beratung als Beobachtung 2. Ordnung der Beobachtungen 1. Ordnung (Beobachtung von Welt (Innen- und Außenwelt) und 2. Ordnung (Selbstbeobachtungen der Beobachtungen von Welt) ihrer Klient*innen versteht.