Nachhaltigkeit

Was ist nachhaltiges Denken?

Die Bedeutsamkeit der Nachhaltigkeit sowie nachhaltig orientierter Forschungs-, Politik- und Wirtschaftsstrategien sowie Lebensstile  nimmt zunehmend zu. Währenddessen hat der Begriff der „Nachhaltigkeit“ eine inflationäre Entwicklung erfahren.

Der Vorstandsvorsitzende des Forum Nachhaltige Geldanlagen e. V. (FNG), V. Weber, schreibt beispielhaft dazu: „Hinzu kommt, dass wir uns einer gesellschaftlichen Debatte gegenübersehen, die den mittlerweile zum Trend avancierten Begriff Nachhaltigkeit zunehmend kritisch beleuchtet. Vom ,Plastikwort‘ Nachhaltigkeit ist die Rede und davon, dass die Nachhaltigkeitsdiskussion an zu viel Beliebigkeit krankt. Auch der Vorwurf des Greenwashing steht vielerorts im Raum.“ (FNG 2011: Marktbericht Nachhaltige Geldanlagen 2011 D-A-CH, Berlin; p. 5).

Neben der Vielzahl uneinheitlicher, teilweise einander unvereinbarer Konzepte von Nachhaltigkeit besteht das Problem, dass auch weithin bekannte und anerkannte Definitionen der Nachhaltigkeit, wie bspw. die des Brundtland-Reports (1987) – „Sustainable development meets the needs of the present without compromising the ability of future generations to meet their own needs.“ (Lexikon der Nachhaltigkeit) – , für die wissenschaftliche, politische und wirtschaftliche Praxis nicht zureichend operationalisierbar sind, weshalb sie damit für die praktische Orientierung und Gestaltung nicht maßgeblich sein können.

Die Probleme der Vervielfältigung, der Unübersichtlichkeit und Undurchsichtigkeit sowie der Verwässerung des Nachhaltigkeitsverständnisses sind nicht neu und der Nachhaltigkeitsforschung (auch von sich selbst) hinlänglich bekannt. Es wurden mehr als zweihundert Nachhaltigkeits­begriffe, mehrere hundert, vermutlich weit über tausend Nachhaltig­keitskriterien und Nachhaltigkeits­indikatoren, mehrere dutzend mehr oder weniger ausgebildete Kriterien- und Indikatoren­kataloge sowie mindestens drei Schulen resp. Paradigmen der Nachhaltig­keits­forschung gezählt.

Diese Situation ist problematisch, weil das Nachhaltigkeitsverständnis die wesentliche Grundlage und das entscheidende Metakriterium für die Gestaltung, Triftigkeit und Stringenz der abgeleiteten Prinzipien, Kriterien, Indikatoren und Methoden für das Nachhaltigkeitsmonitoring und Nachhaltigkeitscontrolling sind. Folglich auch der darin gründenden Strategie- und Operationsplanung der verschiedensten gesellschaftlichen Akteure.  In der Folge ungeklärter Grundlagen der Nachhaltigkeitsforschung ist die Funktion von Nachhaltigkeitsberichten, den verantwortlichen wissenschaftlichen, politischen und wirtschaftlichen sowie sonstigen gesellschaftlichen Akteuren für ihre Wahrnehmungs-, Beurteilungs- und Handlungsoptionen ein Mindestmaß an Transparenz, Präzisierung, Standardisierung, Übersichtlichkeit und Orientierung zu verschaffen, von vornherein behindert.

Folglich gäbe es gegenwärtig zureichende Gründe für die Forschung an aufklärenden und katalytischen Beiträgen zur Entwicklung von Metakonzepten für das gesellschaftliche Nachhaltigkeitsmanagement.

In der Rubrik „Blog Nachhaltigkeit“ schreibe ich über meine Gedanken zur Nachhaltigkeitswissenschaft, zur Nachhaltigkeitsethik und zum Nachhaltigkeitsmanagement. Die einzelnen Stücke werden zum pdf-Download angeboten werden. Falls Sie daran interessiert sind, abonnieren Sie gerne meinen Newsletter, dann werden Sie über meine Veröffentlichungen automatisch informiert.